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Neni Veredelungsprojekt

Im Kindesalter verbrachte ich bereits viele Stunden im Stall meines Großvaters und erlebte dort viele schöne Abenteuer. Bereits zu dieser Zeit wurde die Idee geboren, ich könnte den Stall zu einem bewohnbaren Haus umbauen. Wie aus der Idee ein Projekte wurde und was sich in der Zeit tat, seht ihr in den einzelnen Etappen.

Die nachfolgenden Vorher/Nachher Bilder als erster Eindruck für die starken Veränderungen.

Echte Geschichte. Seit 1440.

Aus der Idee wurde ein Projekt

Nach einer kurzen Planungsphase und einem raschen Genehmigungsverfahren war es endlich so weit. Bei meinem Projekt setze ich ausschließlich auf regionale Betriebe und deren handwerkliche Baukunst. Dies war mir persönlich ein besonderes Anliegen und so fuhr bald der erste Bagger auf. Im Stall gab es weder Strom, Wasser, noch einen Kanalanschluss und von Isolierung keine Rede. Der kleine Bagger entfernte im Inneren die bestehende Betondecke und machte Platz für Isolation, Abwasserleitungen und Bodenheizung.

Die ersten Schritte im Außenbereich:
Betonterrassen & Bodenheizung

Im nächsten Schritt wurden die Betonterrassen und der Betonboden für die Holzkubus (Eingangsbereich und Technikraum) fertiggestellt. In den beiden Eingangsbereichen wurden die „Schlangen“ für die Bodenheizung verlegt. Die Betonterrassen wurden nach Fertigstellung geschliffen und mit einer Schutzschicht eingelassen.

Der alte Dachstuhl wird zum neuen Dach

In einem nächsten Schritt wurden die alten Betonziegel vom Dach entfernt. Sie hatten mehr als 70 Jahre durchgehalten.  Drei große Balken wurden ausgetauscht, die restlichen Balken konnten bleiben. Es wurde ein Platz für die Solaranlage vorbereitet.

Die bestehende Struktur wird abgenommen

Die Seitenwände (Holztäfel) wurde entfernt, auf der vorderen Terrasse gelagert und zu einem späteren Zeitpunkt wieder verwendet bzw. montiert. Es gab zuvor keine Isolation – jetzt war es soweit und das Neni wurde fit für kältere Temperaturen gemacht. Auch wurden zwei Balken und einzelne Bretter vom Balkon ausgetauscht.

Die Holzkubus werden aufgestellt

Die beiden Holzkubus dienen einerseits als Eingangsbereich und andererseits fand im hinteren Bereich die Technik (Heizung, Elektro) ihren Platz. Die fertige Holzkonstruktion ließ sich schnell anliefern und auf den vorgegebenen Platz stellen. In einem späteren Schritt erhielten die Holzkubus sowohl Isolation als auch eine getäfelte Wand.

Innenausbau schreitet voran

Auch Innen gingen die Arbeiten zügig voran. Der Boden im 1. OG wurde geöffnet, um mehr Licht ins Erdgeschoss zu bringen. Auf der anderen Seite wurden die Fensteröffnungen gemacht, die Wandisolationen wurden vorangetrieben und die einzelnen Holzlattungen für das Holztäfel vorbereitet.

Installationen gehen zügig voran

Im oberen Bereich wurden die Leitungen für die freistehenden Badwannen und die Toiletten vorbereitet. Im nächsten Schritt folgten die Paneele für die Wandheizungen. Da die Holzdielen (Originalboden) im Stall blieben und kein Bodenaufbau erfolgte, wurden alle Leitungen in die Wände verlegt. Die Leitungen für die Solaranlage fanden ebenfalls ihren vorgesehenen Platz.

Das Dach wird neu eingedeckt

Die naheliegende Schlosserei brachte die von ihnen gefertigten Stahldachrinnen. Sie wurden aufgrund des Gewichts mit einem LKW-Kran montiert. Auf der gegenüberliegenden Seite wurde die Solaranlage auf das Dach gehoben und montiert. Das Dach war dicht und der Stall und die Kubus wurden mit Schutzfolie versehen.

Zwei lange und harte Tage

Gemeinsam brachten wir 7 Tonnen Lehm aus dem angelieferten Container mittels Schubkarre hinein und mussten beim Verteilen aufpassen, dass wir nicht die montierte Bodenheizung beschädigen. Damit die Leitungen der Bodenheizung nicht nach oben drückt, schraubten wir sie mittels Stahlgitter auf den Boden.

Für unsere Arbeiten erwischten wir einen traumhaften Sommertag mit entsprechend heißen Temperaturen. Es war so heiß, dass wir fortlaufend den Lehm mit Wasser besprühen mussten. Anschließend durfte ich mit dem Rüttler den Lehm verdichten. Zwei lange Tage gingen zu Ende, doch das Ergebnis konnte sich sehen lassen.


Was für eine staubige Arbeit

An dem Punkt dachte ich zum ersten Mal, jetzt mag ich nicht mehr. Von Boden schrubben, mit der Bürste arbeiten, über Kratzer bis unterschiedliche Schleifmaschine kam alles zum Einsatz. Was für eine Arbeit, ich war von oben bis unten dreckig. Der Staub hing wirklich überall. 😁

Dafür hat es sich ausgezählt, sowohl die alten Balken als auch der Holzdielenboden sind sehr schön geworden. Die anschließende Dusche war purer Genuss…😂

Was für eine coole Aussicht

Die großen Panoramascheiben wurden angeliefert und montiert. Der ursprüngliche Stall blieb auf drei Seiten unverändert, außer Richtung Garten wurden die beiden großen Scheiben eingebaut. Zusätzlich erhielten sie eine Senkrechtmarkise mit Fernbedienung für die Verdunkelung am Abend. Die Originalbalken hinter den Scheiben blieben stehen und gaben & geben dem Ganzen ein gemütliches Flair.

Auf den Part habe ich mich gefreut

Die ersten beiden Bilder zeigen den Garten nach Bearbeitung, Verteilung und Festklopfen der Erde durch den Bagger. Endlich kam ich wieder zum Einsatz und durfte die Erde mit dem Rechen von Steinen befreien und streute kräftig Rasensamen auf die Fläche. Die kleinen, runden Platten als netten, passenden Trampelweg zum Neni durfte ich mit Unterstützung verlegen. Die kleine Trockenmauer baute ich gemeinsam mit meinem Bruder, um den Höhenunterschied zum Zaun auszugleichen und um direkt vor der Terrasse einen Platz für die Dahlien zu schaffen. Die Dahlien sind bereits 70 Jahre alt und stammen noch meinen Großeltern. Sie werden bis zu 1,80 m hoch und blühen den ganzen Sommer bis in den Herbst hinein. Der große, freistehende Stein als Platz für den geplanten Gartengrill.

Die Gartengestaltung hat Spaß gemacht

Der Rasen wuchs trotz September erstaunlich rasch an und so konnte ich bereits nach sehr kurzer Zeit das erste Mal Rasen mähen. Bis zum Winter durfte ich sechsmal mit dem Mäher ran. Es folgten der kleine Bauerngarten mit Kräutern, unterschiedlichen Beeren und die restlichen Bepflanzungen wie Obstbäume, Hortensien, Gräser und im Vordergrund die alten Dahlien. Der alte Birnbaum überlebte erfreulicherweise die gesamte Bautätigkeit und so befestigte ich die neuen Stahlseile fürs Spalier.

Projektdaten

Ausgangslage

Der Stall kann als historisch, materialtechnisch, handwerklich, semantisch und emotional wertvoll betrachtet werden.

Durch den Umbau würde es kein Auslöschen aus der Dorfstruktur geben. Vielmehr wird die bestehende Struktur als Ausgangsmaterial verwendet und damit als Geschichte verstanden „als immer schon dagewesen“ mit einem eigenen, wertvollen Charakter in einer synergetischen Beziehung zum angrenzenden alten Bauernhaus.

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Vorgehensweise

Der bestehende Stall, der in seinem Ortszusammenhang richtig ist, weil historisch gewachsen, wurde möglichst ohne Veränderung für die neue Funktion „so“ (=pur) verwendet. Das Neue wurde in die so genommene Bestandskubatur bzw. -struktur möglichst vorsichtig eingewoben. Sämtliche anfallende Materialien wurden zur Beibehaltung des Charakters (Holzböden, Schalung, Holzbalken u.a.) weiter verwendet und wurden durch Naturstoffe wie Lehmboden, Lehmwände, Weißtanne (Holztäfel, Holzküche und Holzmöbel) und einem 200 Jahre alten Montafonertisch aus der Familie ergänzt.

Der bestehende Spalierbaum (Birne) blieb bestehen und wurde integriert. Die bestehende Hülle wurde nur auf einer Seite zur Belichtung geöffnet, ansonsten behielt der Stall auf den drei anderen Seiten seine ursprüngliche Form. Der Stall erhielt mit betonierten und geschliffenen Terrassen einen neuen „Unterbau“ und wurde durch „Eingangsmöbel“ beinhaltende stählerne Boxen (=Kubus) ergänzt.

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